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Über diesen Blog

Dr. Stefan Fuchs

Philosophieren über Organisationsentwicklung

Dr. Stefan Fuchs blickt auf die Organisationsentwicklung aus verschiedenen Perspektiven: als Berater, Führungskraft, leistungsorientiert trainierender Triathlet (Langdistanz: 10:36:45 h in 2011) und Fußballfan. Besonders bei langen Waldläufen kreisen die Gedanken. Manches davon findet Eingang in diesen Blog.

 

Nur die halbe Wahrheit

by stefan 2. Oktober 2009 17:16

„Die Summe des Ganzen ist mehr als die Summe seiner Teile.“ – Schon mal gehört?  Das klingt so prosaisch und modern, fast wie ein Automatismus. Nein, nein, höre ich die Personalentwickler schon ihren Finger heben (Kann man das eigentlich hören, wenn jemand seinen Finger hebt?), da müsse man ja auch noch mit Teamentwicklung ran. Also, man nehme eine Gruppe Menschen, stecke sie in ein Teamentwicklungsseminar und heraus kommt ein „Team“, der lebende Beweis unseres Zitates. Mag sein, dass gute gemachte Teamentwicklung solche Ergebnisse liefert.

Vergessen sollten wir jedoch nicht, dass unsere Mühen zuweilen vergeblich sind oder der Gegner mitspielt. Dazu drei Beispiele:

Da ist zum einen die Fussballmannschaft, gut ausgewählt per Scouting-System, teuer eingekauft und von einem multifunktionellen Trainerteam bestens vorbereitet. Zuweilen – für Nicht-Fußballinteressierten: das kommt tatsächlich nicht selten vor – verliert dieses Team gegen ein „schwächeres“ Team. Das lässt sich übrigens leicht nachvollziehen durch die Gegenüberstellung von Marktwert der Bundesligamannschaften (siehe http://www.transfermarkt.de/de/wettbewerb/L1/1-bundesliga/uebersicht/menue_bundesliga1/startseite.html) und den Spielergebnissen vom letzten Wochenende.

Zweites Beispiel: Das Help Desk Team eines großes IT-Dienstleisters funktioniert prächtig. Nie hatten sie eine Teamentwicklungsmaßnahme genossen. Möglicherweise liegt das daran, dass die Leute absolut aufeinander angewiesen sind und aus dieser Einsicht heraus, sich selbstorginisiert zusammen raufen.

Drittes Beispiel: In einem Unternehmen ist eine Informationsveranstaltung für 100 Mitarbeiter zu organisieren. Die Vorbereitungsgruppe braucht dafür aus Sicht des Beobachters unendlich lange. Endlos-zähe Diskussionen, wieder auflebende alte Rangkämpfe, uneffektive Meinungsbildung, unklare Absprachen, unkonkrete Ziele… das ganze Programm. Als Moderator hinzu gezogen, hätte ich am liebsten die Gruppe verkleinert, um schneller voranzukommen. Die Gruppenleistung war offensichtlich nur ein Bruchteil der Summe Leistungen der einzelnen Gruppenmitglieder. Gegenseitige Behinderung statt Synergie ist hier wohl die treffende Betitelung.

Was ist die Moral? Vorsicht mit der inflationären Verwendung von Weisheiten. Allzu schnell erweisen sie sich als irreführende Worthülsen, als nur die halbe Wahrheit.

 

Kommentare

05.11.2009 07:57:24 #

Die Beispiele sind lebensnah und nachvollziehbar - wenn die Gestalttheorie besser bekannt wäre, könnte man auch passend zitieren und dann passt das Zitat auch: Das Ganze ist etwas ANDERES als die Summe seiner Teile (Christian von Ehrenfels/ bzw. Max Wertheimer)- eine Gestalt ist eben nicht Und-Summen-haft, sonern bekommt eine neue Qualität - und die muss nicht zwangsläufig BESSER sein, die kann auch schlechter sein - genauer hinschauen auf die Rahmenbedingungen und nicht einfach nach "Rezepten" handeln - ich glaube, da stimmen wir überein!
Gruß Doris

doris beneder Österreich | Reply

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