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Über diesen Blog

Dr. Stefan Fuchs

Philosophieren über Organisationsentwicklung

Dr. Stefan Fuchs blickt auf die Organisationsentwicklung aus verschiedenen Perspektiven: als Berater, Führungskraft, leistungsorientiert trainierender Sportler und Fußballfan. Besonders bei langen Waldläufen kreisen die Gedanken. Manches davon findet Eingang in diesen Blog.

 

Ballack oder Das Gute im Schlechten

by stefan 20. Mai 2010 23:45

Ballack fällt also aus für die WM. Ich will nicht auch noch jammern darüber.
Michael Ballack war die Leitfigur, das wichtigste Element im System der (nein, nicht der spielenden 11, sondern der) 23 WM-Spieler. Wenn ein Systemelement  ausfällt, gibt es zwei Alternativen... Entweder wird ein Ersatz gefunden, also ein Element gleicher Qualität und gleicher Passung. Oder, das System wird anders organisiert. Zumindest jedem Fussballinteressierten ist klar, dass Option 1 nicht besteht. Interessant ist nun die Frage, wie sich das System neu organisiert.
Einerseits steht die Frage, ob Yogi Löw wieder zum 4-4-2 zurückkehrt oder im Laufe von Vorbereitung und Turnier einen zweiten Sechser findet (Oh Gott, welchen?). Spannend finde ich auch noch etwas: In jeder Krise soll ja eine Chance stecken. Was also könnte das Gute am Schlechten, am tragischen Ausfall des Michael Ballack sein? In auffallend vielen der letzten Spiele hat unsere Nationalmannschaft (Warum hat sie eigentlich keinen Spitznamen wie andere?) eine enttäuschende Vorstellung abgegeben. Eine rätselhafte Mutlosigkeit hatte reihenweise Spieler ergriffen, alle Verantwortung schien allein auf Michael Ballack zu lasten. Auch energische Hinweise darauf durch ihn selbst führten zu keiner Änderung. Nun aber fehlt der, auf dessen Verantwortungsübernahme sich einige Spieler ausgeruht haben. Genau das kann der Schlüssel zur Veränderung, vielleicht zum Erfolg sein! Jetzt muss sich das System neu sortieren, ist Verantwortung nicht mehr einfach delegierbar, weil dasjenige Systemelement fehlt, welches anderen eine Aufgabe (hier Verantwortung zu übernehmen) zwar ungewollt aber eingeübt abnimmt.

Michael Ballack macht jetzt genau das Richtige: Er stößt zum Team, um die Verwirrung und Trauer aufzufangen, um zu zeigen, ich - der Leitwolf - bin da. Gleichzeitig stellt er klar, während der weiteren Vorbereitung und während des Turniers NICHT präsent zu sein. Das heißt: "Ihr müsst dann ohne mich zurecht kommen. Ich traue Euch das zu."
Respekt! Ich glaube, einen größeren Dienst als diesen könnte er dem Team in dieser Situation gar nicht erweisen.  

Kommentare

28.05.2010 15:02:13 #

Wenn ich die erzwungene Veränderung durch den Ausfall von Ballack einmal übertrage auf die Arbeit im Team, bringt mich das auf folgenden (nicht unmittelbar zur Umsetzung empfohlenen) Gedanken: Auch in Teams gibt es mitunter die Konstellation, dass sich einige hinter den überragenden Leistungen eines Einzelnen verstecken. Das Augenmerk der Führungskraft richtet sich üblicherweise darauf, die Masse zu etwas zu aktivieren, was von einem Kollegen schon geleistet wird. Es gibt also für die Teammitglieder wenig Notwendigkeit, sich zu verändern. Um Veränderungsdruck zu erzeugen, könnte die Führungskraft nun genau diesen Leistungsträger vorübergehend aus dem Team entfernen. Somit wäre ein Vakuum geschaffen, das ausgeglichen werden muss, und zwar von genau denjenigen, die sie bewegen und entwickeln möchte. Ich wäre sehr gespannt auf die Auswirkungen eines solchen Vorgehens z.B. auf die Leistungen eines Vertriebsteams. Aber beobachten wir lieber erst einmal die weiteren Auswirkungen und warten das Ergebnis der WM ab…

Dorothea Sorge-Werres Deutschland | Reply

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